Der Schwiegermutterschreck

Der Schwiegermutterschreck – Vom katastrophalen Image der Erotikbranche

Innerhalb der letzten 17 Jahre, in denen ich als Dienstleister in der Erotikbranche tätig war, habe ich einiges erlebt und viele Begegnungen und Erfahrungen gemacht. Die meisten waren erleuchtend und amüsant, manche aber auch ernüchternd. Webmaster für Erotikseiten – für mich ein Beruf wie jeder andere. Ich sorgte dafür, dass meine Webseiten sowie die Seiten meiner Kunden in den Suchmaschinen gut gefunden wurden und somit viele Besucher hatten. Und natürlich kaufte ich auch regelmäßig erotische Texte, Bilder und Videos für einige meiner Seiten ein. Ich bewegte mich nicht auf illegalem Pflaster, wohl aber aus der Sicht mancher Menschen auf unmoralischem. Dabei war es stets mein Anspruch, ein gutes Produkt zu einem fairen Preis sowie meinen Kunden einen optimalen Support zu bieten. Dieser Anspruch an mein Arbeiten wurde mir jedoch schon aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Branche aberkannt. Und so stoße ich selbst heute noch vereinzelt auf Abneigung, sobald ich gegenüber neuen Bekanntschaften erwähne, in welcher Branche ich tätig war.

Insbesondere potentielle Schwiegermütter stellten mich bislang gerne auf eine Stufe mit Triebtätern, Auftragsmördern, Drogendealern oder Mädchenhändlern. Zwar pflegte ich selbst keinerlei Kontakt zu Webcamgirls und stellte auch keine Frauen ein, die sich vor der Kamera für meine Seiten auszogen, aber es ist beachtlich, welche Filme ich offensichtlich mit meiner Tätigkeit in den Köpfen mancher Menschen auslöste.

Mit Anfang dreißig hatte ich eine Freundin, mit der ich über zwei Jahre lang liiert war. Als ihre Mutter von meinem Beruf erfuhr, wechselte sie von diesem Tag an kein einziges Wort mehr mit mir. Selbst auf der Geburtstagsfeier ihrer Tochter behandelte sie mich wie Luft und weigerte sich, mir zur Begrüßung die Hand zu geben. Für sie war ich fortan der kriminelle Zuhälter, der es nur darauf abgesehen hatte, ihre Tochter heimlich beim Sex zu filmen, um diese Videos dann lukrativ als Hardcore-Pornos im Internet zu vermarkten.

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Eine Ausnahme? Keineswegs. Auch die darauffolgende Beziehung zu einer Frau wurde von der Haltung der Mutter mir gegenüber überschattet. In Ihren Augen war ich kein guter Umgang für ihre Tochter. Sie redete jahrelang auf meine damalige Freundin ein und versuchte sie zu einer Trennung zu bewegen. Als dieser direkte Weg nicht zum erwünschten Ergebnis führte, heckte sie schließlich Intrigen aus und versuchte durch Lügengeschichten und inszenierte Szenen ihre Tochter von mir fernzuhalten. Letztendlich gelang ihr das auch und wir trennten uns nach über acht Jahren Beziehung.

Sex sells
Doch nicht nur Schwiegermütter hatten ein Problem mit meinem Beruf. Wenn ich beim Weggehen Frauen kennenlernte, konnte die Frage nach meiner beruflichen Tätigkeit schnell zur frühzeitigen Verabschiedung führen. In der Regel zogen sich die Frauen höflich zurück und melden sich danach einfach nicht mehr. Wenn ich versuchte anzurufen, gingen sie nicht mehr ans Telefon. Allerdings bin ich auch schon mit den Worten „Du Perversling! Komm mir ja nicht zu nah!“, von einem Date verabschiedet worden. Natürlich fanden manche Frauen meine damalige Tätigkeit auch sehr interessant.

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Durch meinen Beruf hatte ich nicht nur Nachteile beim Schließen neuer Bekanntschaften, sondern stieß auch im geschäftlichen und finanziellen Bereich immer wieder auf Mauern. Wie bereits im Vorwort erwähnt, war die Tatsache, dass ich im Adult-Business tätig war, auch für meine Bank Grund genug, mir einen Kredit zu verweigern. Die Bank wolle keine Geschäfte mit Personen oder Firmen machen, die negativ vorbelastet sein könnten.

Das Aberwitzige: 25 Prozent aller Anfragen bei Suchmaschinen wie Google oder Yahoo sind pornografischer Art. 53,4 Millionen Deutsche sind laut ARD-ZDF-Onlinestudie 2012 online gewesen. Es wird geschätzt, dass in Deutschland mindestens 40 Prozent regelmäßig erotische Angebote im Internet nutzen. Nach Adam Riese surfen also sage und schreibe 21,4 Millionen deutsche Internetnutzer auf erotischen Seiten, wie ich sie betreute und zum Teil auch selbst zur Verfügung gestellt hatte. Und obwohl so viele Menschen täglich auf Pornoseiten unterwegs sind und sich Bilder, Filmchen usw. ansehen, herrschen bis heute zahlreiche Vorurteile um und über das Erotik- und Porno-Geschäft im Internet. Das Erotikgewerbe hat viele Feinde und wenig Freunde. Feinde sind die Massenmedien: Mit negativer Berichtserstattung und der Bestätigung von Vorurteilen lassen sich eben schnell Auflagenzahlen steigern. Sex sells. Skandale aus der Erotik- und Pornobranche erfüllen so gut wie alle Nachrichtenfaktoren, die eine Geschichte auf die Titelseite bringen.

In den meisten Fällen werden dabei die positiven Seiten völlig außer Acht gelassen: Dass Pornografie die Möglichkeit bietet, sexuelle Fantasien und Fetische auszuleben und dazu beitragen kann, die Anzahl sexueller Übergriffe und Missbräuche zu reduzieren. Und dass Pornografie auch in einer Beziehung sehr anregend sein kann: Viele Pärchen schauen sich erotische Filme an, um sich „Appetit“ zu holen oder wieder frischen Wind in ihre Beziehung zu bringen. Außerdem wird übersehen, dass das Netz vielen Prostituierten, Stripperinnen und Aktmodels die Möglichkeit gibt, selbstständig und ohne Zuhälter ihre Dienste anzubieten. Alle mir bekannten Seitenbetreiber verfügen über Inhalte mit entsprechenden Lizenzen und Nachweisen, so dass es Minderjährigen absolut unmöglich ist, dem Gewerbe nachzugehen. Kein Anbieter würde das Risiko eingehen, Minderjährige oder unfreiwillige Sexarbeiterinnen im Netz zu präsentieren. Mir ist in 17 Jahren Erotik-Business nicht ein einziges Mal eine Seite untergekommen, die Kinderpornografie beinhaltet, noch wurde durch eine Erotikseite ein Virus auf meinem Rechner installiert oder mein Bankkonto illegal belastet.

Im englischen Sprachraum haben es Porno-Produzenten leichter: Sie nennen ihre Branche schlicht Adult Entertainment, Erwachsenen-Unterhaltung. Das klingt so gar nicht nach schmuddeligem Hinterzimmer, sondern fast schon seriös und spießig. Der Porno-Regisseur mit Goldkette und Vukohila-Frisur ist bis auf wenige Ausnahmen ausgestorben. Das Geschäft hat sich gewaltig verändert. Wie die Musikindustrie hat auch die Erotikwirtschaft durch das Internet einen drastischen Wandel vollzogen. An den Schaltstellen sitzen inzwischen fast nur noch Akademiker wie Betriebswirte, Programmierer und Entwickler, kaum einer von ihnen hat je ein Porno-Set betreten. Das hat er auch gar nicht mehr nötig. Denn viel wichtiger als die Herstellung der Filme ist der Vertrieb und die Vermarktung geworden.

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Andreas Doehring
Andreas Doehring
 
Social Media Relations e.K. - Ihr Berater für Webdesign, Online Marketing, Webshops, Social Media, Conversion Optimierung, Google AdWords Qualified Individual Spezialist
 

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